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Kolumne: Problematik der Hardcore-Raidszene und Nachwuchs


Ist WoW ein Sport? Viele der Anreize im Spiel, viele der Belohnungen sind ausschließlich über Raiden auf mehr oder weniger hohem Niveau erreichbar. Wie verhält sich WoW also zu traditionelleren Sportarten? Ich rede hier allerdings nicht von anderen eSports, sondern von klassischen Team-Sportarten. Wie unterscheidet sich die Einstellung von Raidern zu RL-Sportlern?

Stellen wir uns vor, ihr trefft euch mit euren Freunden ein paar Abende in der Woche und macht Sport zusammen - was immer es auch ist: Fußball, Tennis, Basketball... Ihr macht es, weil es Spaß macht. Ihr lernt die Regeln, vielleicht im Sportunterricht in der Schule, vielleicht von einem Freund oder durchs Zuschauen.

Doch auf einmal wollt ihr ein kleines bisschen mehr. Ihr stellt fest, dass ihr ziemlich gut seid, investiert ein bisschen Geld in bessere Ausrüstung und verbringt mehr Zeit damit den Profis zuzuschauen. Die Spielchen am Abend werden von einer Aktivität, die ihr nur aus Spaß gemacht habt zu einem Wettstreit den ihr gewinnen wollt. Vielleicht seht ihr euch auch nach einem ordentlichen Team um, und schon bald rümpft ihr die Nase über die "Anfänger" oder auch "Casuals" mit denen ihr noch vor ein paar Wochen gespielt habt.

Die Mehrheit der Hardcore-Raider scheint irgendwo zwischen professionellen Amateuren und die einfach-weil-ich-es-kann-Gruppe zu fallen.  Diejenigen von euch im Sport, die wissen wie eine ordentliche Aufstellung aussieht und wie die Abseitsfalle funktioniert haben selten mehr als  Verachtung für die völlig Unwissenden übrig. Das züchtet eine elitäre und "besser-als-du" Kultur heran, was wiederum zu einer ziemlich  feindlichen Umgebung wird für jemanden der gerade erst angefangen hat und lernen will.

Natürlich, all das kann gelernt werden und unser Job als Raider ist es zu lehren. In der echten Welt gibt es Trainer verschiedenster Art und Handicaps. Warum helfen Spieler sich nicht gegenseitig sondern beantworten gerechtfertigte Noob-Fragen mit Sarkasmus und irreführenden Antworten?

Ich glaube, die Antwort hat zwei Teile. Erstens: Die Leute in der professionellen Amateur-Kategorie wollen sich weiterhin besonders fühlen. Der  Einstieg in die Hardcore-Raidszene war noch nie einfach, während Cataclysm haben sich die meisten Gilden lieber aufgelöst anstatt neue  Spieler anzulernen. Es gibt keine Obergrenze wie viele Hardcore-Spieler WoW unterstützen kann (abgesehen davon dass es immer 10er- und 25er-Packs sind), und jeder einzelne neue Spieler in der Szene macht sie weniger besonders. Was heißt heutzutage auch noch Hardcore? Nichts weiteres als das Investieren von viel Zeit?

Ein wichtiger Faktor in der schlechten Behandlung des Nachwuchses ist schlicht und ergreifend das tiefgehende Bedürfnis sich wichtig und  wertvoll zu fühlen. Wenn jemand, der gerade zum ersten Mal eine Maus in die Hand nimmt und im Handumdrehen so cool ist wie wir, was haben  wir nur mit den letzten fünf Jahren unseres Lebens angestellt um selbst so cool zu werden?!

Zweitens: Im Grunde geht es darum, die richtigen Fragen zu stellen, die richtigen Dinge zu lernen und natürlich jeden Try das Beste zu geben. Im Raid kostet jeder Fehler, den ihr macht neun oder 24 anderen Leuten Zeit, Geld und Nerven. Ihr findet das vielleicht nicht schlimm, oder seid euch dessen nicht bewusst, aber Fehler haben Folgen. Ein Fußballteam dessen neuester Torwart jeden Ball durchlässt, dessen Stürmer niemals durch die Verteidigung kommt, dessen Mittelfeld keine Pässe landet wird recht schnell die Geduld verlieren, genau wie im Raid. Selbst die freundlichsten und geduldigsten Spieler werden frustriert wenn sie wegen euch mehr Zeit am Geisterheiler als im Try verbringen.

Im englischen Sprachraum gibt es das Prinzip "a place for everyone, and everyone in their place". Wenn ihr zu den Leuten gehört, die ständig Fehler machen, die sich nicht für die perfekte Spec für einen Boss interessieren, denen die perfekte Sockelung und das Gear egal ist, ihr in Badehose und Schwimmflossen zum Fußball aufkreuzt, dann ist ein Raid mit Leuten denen es nicht egal ist nicht der richtige Platz.

Was ist mit den Leuten in der Mitte des Feldes? Am Ende kommt es darauf an, was ihr wollt. Wollt ihr einer der No-Lifers während Progress sein, die jede freie Minute in WoW verbringen und alles um sich herum vernachlässigen solange noch ein Boss steht? Oder reicht es relaxt in einem eher schlechten und chaotischen Raid zu spielen, dafür mit einer Gruppe die auch ohne Kills Spaß zusammen hat?

Sicherlich finden schlechtere Spieler mit 24/7-Verfügbarkeit auch ihren Platz in Gilden wie Method und im Umkehrschluss hat niemand das Recht euch "Schmutz" zu nennen, weil es euch reicht drei Abende die Woche zu raiden. Aber wenn ihr hungrig seid, die freie Zeit aber nicht die Erfahrung habt, dann ist jetzt genau wie zu Beginn von Cataclysm der perfekte Zeitpunkt, den Sprung zu wagen. Es muss ja nicht direkt Method oder Paragon sein. Gerade World #100-Gilden sind häufig bereit, leicht unerfahrene Spieler mit gutem Gear und Einsatzwillen eine Chance zu geben und welcher Moment ist besser als wenn noch niemand Gear hat und ihr das beste Dungeongear aus MoP-Heroics habt?

Das ist doch gerade auch das Tolle an WoW: Im Spiel, selbst im Raid, gibt es für jeden seinen Platz. Sei es jetzt derjenige der einfach nur zur Entspannung am Abend zwei bis drei 5er mit Freunden läuft, oder der besessene Theorycrafter der sieben Tage die Woche, acht Stunden am Tag die neuesten Hardmodes progressed.

Der Stress zwischen Casual/Hardcore beginnt genau dort, wo die erste Gruppe sich bei der zweiten bewirbt, in ihren Foren postet oder im IRC stalked. Podolski würde euch nicht zeigen wie man einen Elfmeter schießt, der Trainer im örtlichen Fußballverein schon.

Und zum Schluss: Lasst Noobs Noobs sein. Wenn sie glücklich sind, wen interessiert es ob sie eine schlechte Rota fahren oder Wille sockeln. Wenn sie das legen was sie legen wollen, wer sind wir darüber zu richten?



  1. Barrelroll's avatar
    Barrelroll 2012-09-06 15:38:47 UTC — wusstest du nicht sein name ist programm?
  2. Kerrag's avatar
    Thumb_038123ca28
    Kerrag 2012-09-06 14:14:52 UTC — Ich meine solche Kommentare von mir wie: "SC2 Ego Fucker? :D lol nap

    Die einzigen beiden Pro - Gamer in WoW sind Barrel und ich .. *mahawhwhahwh*"

    Okay, also wenn du "pro" sein mit Geld verdienen gleich setzt, dann kann ich dir zustimmen das es bei wow "Pro-Gaming" gibt
  3. kliqklaq's avatar
    kliqklaq 2012-09-06 13:35:44 UTC — Kein ernstes Gespräch hier? Schad'!
  4. Kerrag's avatar
    Thumb_038123ca28
    Kerrag 2012-09-06 13:22:05 UTC — Nimmst du das wirklich ernst Depression? oje^^
  5. Depression's avatar
    Depression 2012-09-06 11:02:53 UTC — Wenn ich hier die Kommentare lese, wird mir so richtig schlecht. Hat vielleicht noch jemand eine Portion "ich bin voll geil, schaut mich an" auf Lager?
  6. kliqklaq's avatar
    kliqklaq 2012-09-06 07:07:27 UTC — @ Kerrag, ich meinte eher, dass PVP in einem MMO ähnlich ausgelegt ist wie andere kompetitve Spiele. Ob und wie es genutzt wird, steht ja wieder auf einem anderen Blatt. Und das früher, als die Gummistiefel noch aus Holz waren eh alles besser war, wissen wa ja eh ^^ Pro bedeutet für mich, dass jemand mit etwas Geld verdient, egal ob das 15 Euro im Monat mit Streamwerbung oder 6,500 Euro bei Cups ist. Irgendwo muss man ja eine Linie ziehen und ich ziehe sie da.

    Ich wollte mich nicht über einzelne Leute unterhalten, sondern mal schreiben, was Rahmenbedigungen beschaffen sein müssen, damit es Profis geben kann.

    Beispiel: Jeder Arzt ist ein Profi in seinem Fach, das sagt aber noch nichts darüber, ob du findest, dass das ein guter Arzt ist.
  7. Kerrag's avatar
    Thumb_038123ca28
    Kerrag 2012-09-06 06:56:51 UTC — SC2 Ego Fucker? :D lol nap

    Die einzigen beiden Pro - Gamer in WoW sind Barrel und ich .. *mahawhwhahwh*
  8. Barrelroll's avatar
    Barrelroll 2012-09-05 22:11:02 UTC — Natürlich gibt es in World of Warcraft Pro Gaming. Pro gaming heißt ja nur dass ein Spiel im professionellen Maße betrieben wird. Das fängt schon bei der Organisation / Management einer Gilde an und es geht bis hin zur Hingabe der jeweilgen Spieler in einer Gilde. Der Unterschied zum richtig "competetive" progaming ist dass du nicht wirklich davon Leben kannst und einfach zwischen den contents es einfach still wird um die Gilden. Die Gilden müssen sich mit Communityarbeit sich selber über Wasser halten um ihre Bekanntheit / Beliebtheit zu steigern. Bezüglich PvP kann ich Jens nur zustimmen.

    Es gibt schlichtweg kein MMO was als E-Sport Titel betrachtet werden kann

    Meine Meinung ist wie folgt.

    SC2 ist für ego fucker

    LoL ist für Leute die keinen guten Computer haben und zu geizig sind Geld für ein Spiel auszugeben

    RICHTIG COMPETETIVE E-SPORT = DOTA2!!! OPAAAA DENDI!!! DAVAI

    http://www.youtube.com/watch?v=Ldq1afiKQb8&feature=player_embedded
  9. Limoten's avatar
    Limoten 2012-09-05 18:13:51 UTC — Macht wieder ein Raidfrei: Der AFK talk. :D
  10. Bara's avatar
    Bara 2012-09-05 16:27:55 UTC — @Kerrag: Kreisklasse. Erstmal kommen noch die Shooter :D

    @Topic: Der Artikel ist sehr interessant zu lesen und ich für meinen Teil finde mich an einigen Stellen selbst wieder. gogo Karsten, mehr davon ;)